Der Ostzipfel Kubas Guantánamo
Guantánamo ist die südöstlichste Provinz in Kuba, der Name ihrer Hauptstadt, zugleich ihrer größten Bucht sowie eines Flusses, der in diese Bucht mündet. Von den 15 kubanischen Provinzen ist Guantánamo die am wenigsten besuchte und enthält doch die interessanteste Wildnis - zusammen mit der Provinz „Pinar del Río“ am anderen Ende der Insel. Am häufigsten indes wird „Guantánamo“ mit einem Marinestützpunkt der USA in Verbindung gebracht. Seit 2001 nutzen die Vereinigten Staaten eine Militärbasis auf Kuba als Gefangenenlager. Hinter einem 28 km langen Grenzzaun mit einer Todeszone aus 75 000 Minen sind dort mehr als 500 angebliche Terroristen unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Doch nimmt die Militärbasis lediglich einen isolierten Teil der Bucht ein - nur 117,6 km² von den 6.178 km² der Provinz Guantánamo.
Guantánamo besteht aus zehn Gemeinden, von denen Baracoa im Osten der Provinz die beliebteste ist. Sie umrandet jene Bucht, an der Christopher Kolumbus 1492 landete und sein „Cruz de la Parra“(ein Holzkreuz) aufstellte, wo dann der Hafen des Ortes entstand. So wurde das „Cruz de la Parra“ in die Kathedrale der heutigen Stadt Baracoa verlegt. 1512 wurde Baracoa als erste europäische Siedlung gegründet und durch drei mächtige Festungen geschützt. Obwohl anfangs Hauptstadt der spanischen Kolonie konnte Baracoa doch über Jahrhunderte hinweg nur auf dem Seeweg erreicht werden.
Erst 1960 unter Fidel Castro wurde das alte Baracoa durch die Strasse „La Farola“ mit dem Rest der Insel verbunden. Auf diese Weise hat sich das Flair der Kolonialzeit dort bis heute erhalten. Typisch sind auf Säulen gestützte Schindeldächer oder eine malerische Hängebrücke aus Holzstäben zwischen Bananenstauden und schattenspendenden Königspalmen. Kakaopflanzen umsäumen Sandwege und Berge die Baracoa-Bucht im Hintergrund.
In zweieinhalb Stunden lässt sich der nahegelegene Tafelberg El Yunque besteigen oder man durchwandert dreißig Kilometer südöstlich von Baracoa einen Canyon. Unter dem Gezwitscher seltener Vogelarten treiben mehrere Flüsse durch das unterschiedliche Grün zur Bucht. Flussfahrten kann man absprechen. In Baracoa finden Sie außer Hotels auch eine stattliche Auswahl an Privatunterkünften. Ausflüge im gemieteten Wagen oder Motorroller sind relativ günstig. Führer wie Tony Mas im Hotel El Castillo können dem Besucher sowohl Fauna und Flora als auch Geschichtliches näher bringen.
Kommen wir zur Hauptstadt der Provinz Guantánamo in Kuba: Sie liegt wenige Kilometer landeinwärts, nördlich der Guantánamo-Bucht. Gut 200.000 Kubaner leben hier - zum großen Teil vom Handel mit Zuckerrohr und Baumwolle. Immerhin hat Guantánamo eine Universität. Aus der Luft sieht die Stadt wie das Blatt eines Rechenheftes aus. Die karierten Linien bilden das Straßennetz, an dem entlang die schmalen Fronten länglicher Häuser stehen. Die Mitte solcher Karos füllen Bäume und Sträucher aus. Im Zentrum der Stadt ist die koloniale Architektur recht gut erhalten. Doch hat Guantánamo keine herausragenden Sehenswürdigkeiten zu bieten und blieb bislang vom Tourismus wesentlich verschont.
Möglicherweise kennen Sie das Lied "Guantánamera" ("Mädchen von Guantanamo") mit dem Refrain: Guantánamera, Guajira Guantánamera...
Der Text dieses weltbekannten Liedes besingt das einfache Leben und stammt von dem kubanischen Volkshelden Martí.
Nahe der Militärbasis liegt das Fischerdorf Caimanera in der Guantánamo-Bucht. Sein Hafen verschifft hauptsächlich Zuckerrohr und Kaffee. Weiter östlich an der Windward Passage kann man von Guantánamo aus bei klarem Nachthimmel die Lichter vom Haiti in 80 km Entfernung erkennen.
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